Das erste Schützenfest im Jahre 1576
Es war ein fleißiges, energisches, ehrenwertes und achtunggebietendes Treiben und
Schaffen, das sich im 16. Jahrhundert in Schönau abspielte, und es war auch ein
heiteres, fröhliches Leben, ein lebendiges und reges sich Äußern und Entfalten auch
der gesellschaftlichen Seite des Volksgemütes und des Volkslebens. Dafür gibt es
einen schlagenden, unwiderleglichen Beweis, nämlich eine Urkunde, die im
Kopialbuch Band 847 Blatt 433 des Badischen Generallandesarchiv in Karlsruhe
gefunden wurde. Der Text dieser Urkunde lautet:
"Wir, Friedrich von Gottes Gnaden des hl. Römischen Reiches, Kurfürst,
Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Bayern Unsern Lieben, Getreuen Amtleuten zu
Heidelberg".
Wir haben uns unsere Untertanen, Schultheiß, Bürgermeister und ganze Gemeinde zu
Schönau untertänigst gebeten, nachdem sie in jüngster Musterung mehrenteils mit
Rohren belegt, wir wollten ihnen, damit sie im Fall der Not derselben ihrer besagten
Wehren zu gemeiner Landes Wohlfahrt desto geschicklicher und geübter brauchen
möchten, gleich anderen Benachbarten an Sonn- und Feiertagen zum Ziel zu schießen,
nicht allein gnädigst erläuben, sondern auch zu deß besserer Übung eine Steuer- oder
Herrengabe gnädigst verordnen lassen. So wir nun solche ehrliche Gesellschaften, so
zu einem nützlichen Gebrauch und im Fall der Not zu gemeiner Rettung und Wohlfahrt
des Vaterlandes dienen, gern befördern helfen, als haben wir ihnen solch Zielschießen
folgendermaßen nicht allein gnädigst vergönnt, sondern auch zu deß mehrerer Übung
von vier bis in fünf Gulden, damit sie ein Paar Barchet kaufen und also an Sonn- und
Feiertagen neben dem Ihrigen, so sie selbst zugeben, dazu einlegen, ein Wammesfrei
Zielschießen haben zu einer Steuer und Herrengab bis auf Widerrufen jährlich zu
reichen gnädigst bewilligt; befehlen darauf: Ihr wöllent ihnen einen -Platz da sie
keinen Schaden tun mögen, zum Zielschießen anweisen und alsdann an unsern
Landschreiber ihnen solche Steuer zur Kaufung eines Barchent unsertwegen also uff
Widerrufen dorthin jährlich erlegen und uns in Ausgabe zu verrechnen. Doch ihnen
daneben mit Ernst einbinden, daß sie auch außerhalb des Zielschießens das
Büchsentragen in und durch unsere Wälde bei Strafe sich gänzlich enthalten;
desgleichen zu den Stunden, so zu der Predigt und Anhörung göttlichen Wortes
verordnet, dabei sie sich finden sollen, solch ihr Schießen einstellen. Daran beschieht
unsre gefällige Meinung.
Gegeben Heidelberg den 25. Mai des Jahres fünfzehnhundertsiebenzigundfünf."'